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Die Geschichte des Gemeindegebiets
Waakirchen
Zur Gemeinde Waakirchen gehören die Orte Waakirchen – Schaftlach – Piesenkam – Hauserdörfl – Marienstein und zahlreiche Weiler und Einöden (42,43 km ).
Sie
liegen an der äußersten Westgrenze des Landkreises Miesbach. In der Vorzeit
war unser Gemeindegebiet vom Tethysmeer überspült (Funde im Mariensteiner
Bergwerk: Versteinerungen von Muscheln, Schnecken und Palmblättern).
In
der Eiszeit schoben Isar- und Tegernsee-Gletscher tiefe Talmulden aus und häuften
an ihren Rändern Geröllberge, die Seitenmoränen auf. Unser gesamtes
Gemeindegebiet liegt darauf in einer Höhe von 759 – 817 m.
Unser
Klima ist rauer, kälter und trockener als das im Isar- und Tegernseer Tal.
Unsere Nachbarorte können von Funden aus der Jüngeren Steinzeit und Bronzezeit
berichten (in „Vor- und Frühgeschichte in den Landkreisen Bad Tölz und
Miesbach“), in Waakirchen müssen wir uns auf eine Randscherbe eines
Graphittongefäßes aus der Latenezeit (Keltenzeit etwa 500 – 15 v. Chr.)
beschränken. Nachdenklich macht jedoch ein fraglicher Turmhügel „Hochwart“
im Schopfloch. Schriftliche Nachweise aus unserer Dorfgeschichte erhalten wir
durch Aufzeichnungen der Tegernseer Mönche seit der Klostergründung 746 sowie
aus dem Diözesan-Archiv von Freising. Dabei bereiten ältere Zeitangaben
Schwierigkeiten, sie sind den Amtszeiten der Äbte zugeordnet. So bezeugt
Uuachar (=Wachar) in der Zeit von Bischof Arbeo (770-783) eine Schenkung. Unter
Abt Bernger von Tegernsee (1003-1013) werden Sighart und Bernhart genannt.
Flohrschütz:“Die Waakirchner Ministerialen sind mit die am frühesten
belegbare Familie in den Diensten des Klosters Tegernsee, die prominenteste
Familie St. Quirins“. Als Ritter schützten sie das Kloster und bekleideten
hohe Ämter.
Ein
Kloster-Urbar aus dem Jahre 1289 (Vermögens- und Zinsbuch) berichtet von
zahlreichen Klostergütern. Stainperch, Waeching, Cheilshoven, Risenperch,
Pranthlehen, Sigmarstat, Cheilsried, Linten, Feuhten, Hasloch, Anger, Einhaus,
Praustperch, Chamerloch, Ursental, Sachreut, Herprehter und Seestaller, aber
auch von der Waecheringeraw (Bauer in der Au in Wiessee).
1163
wird die Kirche St. Martin durch Kaiser Friedrich I. Barbarossa dem Kloster
Tegernsee aufs neue bestätigt,
1193
ebenso durch Heinrich VI.
1305
übergibt Herzog Rudolph in Baiern dem Kloster Tegernsee den Mayerhof Cammerlochen „in Ansehung der Dienste“. Die Sage berichtet von einer
„Freiung“ in Cammerloh. (Freibaum)
Seit
1315 ist Waakirchen eine Filiale der Pfarrei Gmund mit eigenem Taufstein und
Friedhof und blieb es bis zur Gründung der Pfarrei St. Martin Waakirchen 1809
unter dem ersten Pfarrer Virgil Sorko, Benidiktinermönch der ehemaligen Abtei
Tegernsee.
Während
unsere ersten Ortsnamen von Wachar: Wacheringa, Waeching, Waecheringen
abgeleitet sind, erscheint auf einer Karte des nördlichen Tegernsees v.
Weinerus 1797 „Waakirchen“ oft auch „Wääkirchen“ (Frhr.v.
Reitzenstein)
„1644
ist am 6. Januar am Chrysamgütl (H-N.2) in Waakirchen geboren Balthasar Mayr,
Schmied von Kochel, auch genannte Schmied-Balthes, der hervorragende greise Held
des Baierischen Oberlandes, so vermeldet ein Lehrer 1734 den späteren
Geschlechtern...“ aus der Urkunde zur Grundsteinlegung
des Oberländer-Denkmals, am 3.6.1905, am 20.8.1905 feierlich enthüllt
und geweiht im Beisein des Protektors des Oberländer-Denkmalvereins,
sr.Kgl.Hoheit des Prinzen Ludwig von Bayern, einer großen Anzahl von Ehrengästen
und vielen Tausenden von begeisterten Festgästen.
Das
Oberländer-Denkmal erinnert an die Gefallenen der Sendlinger Bauernschlacht am
25. Dezember 1705. Unter den Toten waren auch 34 Waakirchner und der Schmied von
Kochel.
Im
Dreißigjährigen Krieg hatten die Bewohner viel zu leiden. Die Schweden
hausten, in den „Mariensteiner Streitmösern“ wurde ihnen von den Bauern der
„Garaus gemacht“. Auch die Pest raffte so manchen dahin.
1737
am 5. April wurden 15 Höfe und die Kirche von „einem wütenden Feuer
vernichtet“. Die Kirche und der Turm brannten aus“ so daß die Glocken auf
dem Turm geschmolzen sind.“
1737
– 1739 wurde unter Abt Gregor Plaichshirn die Kirche wiederaufgebaut und
ausgestattet. Am 28. August 1739 wurde sie feierlich konsekriert vom Freisinger
Weihbischof Freiherr Johann Ferdinand von Pordigheim.
Am
Karfreitag des Jahres 1829 um halb 10 Uhr nachts brach im Unterdorf ein Großfeuer
aus, „15 Firste wurden ein Raub der Flammen“.
Beim
Wiederaufbau errichteten viele ihre Bauernhöfe außerhalb der Ortsgrenze. 1876
wurde die Feuerwehr gegründet und 1877 die erste Spritze angeschafft, 1842
wurde die „Roßschwemme“ ausgebessert und als Reserve für Löschwasser
hergerichtet.
1857
wurde der Dorfbrunnen an der Dorfstraße zwischen Christl- und Bockwirt
ausgebessert und mit 2 Wasserpumpen versehen.
1850/51
errichtete der Besitzer des Gutes Oberkammerloh 2 Zementöfen und eine Mühlenanlage,
die durch eine Dampflokomobile betrieben wurde. Die Steine für seine
„Zementfabrik“ holte er aus dem Steinbruch im „Holzwiesenthal“, wohin er
später seine Tätigkeit verlegte. Nach seiner Enkelin „Maria“ wurde es
umbenannt in „Marienstein“. Der hydraulische Kalk wurde in Fässern in der näheren
Umgebung und bis nach München verkauft.
1870
wurde ein kleines Wohnhaus erbaut, 1871 ein Bauernhof mit Zimmern für die
Arbeiter...
1911
hatte es schon ein eigenes Schulhaus, 1927 an Mariae Himmelfahrt wurde durch
Kardinal-Erzbischof v. Faulhaber die Kirche St. Maria feierlich geweiht.
1852
erhielt Herr Deuringer durch das kgl. Bergamt München das Gewinnungsrecht für
Kohle. Marienstein wurde Bergwerksort bis 1962 die letzte Schicht gefahren
wurde. Nach der Schließung des Zementwerks bemühte sich die Gemeinde um
Industrieansiedlungen. Auf dem alten Sportplatz entstand eine neue Siedlung im
Einheimischen-Programm.
1936
Errichtung der „Alten Siedlung“ in Hauserdörfl und
1947
der 2. Bergwerkssiedlung, genannt „Neue Siedlung“ in Waakirchen
1939
im Hause Sappl neben dem Rathaus wird eine Postagentur eingerichtet.
1945
16.
Februar: die Schulsäle werden von Flüchtlingen belegt. Schule in Gasthäusern
27.
Februar: die Gasthäuser werden von der Wehrmacht belegt; letzter Schultag
30.
April: Tieffliegerangriff: 17 Tote – 1 Haus abgebrannt
27.
April bis 2. Mai: Todesmarsch vom KZ Dachau bis Waakirchen – Schopfloch.
Zum
Gedenken wurde am 2. Mai 1995 vor dem Schopfloch an der Straße Bad Tölz –
Waakirchen unter Beteiligung von Zeitzeugen und vielen Israeliten ein Mahnmal
enthüllt und feierlich eingeweiht.
2000
eine Gruppe marschierte zum Gedenken dieselbe Strecke nach.
1978
im Zuge der Gebietsreform wurden am 5. März die beiden Gemeinden Waakirchen und
Schaftlach vereinigt. Sitz der Gemeinde ist Waakirchen, die Verwaltung ist im
Rathaus Waakirchen.
Kindergarten
Marienstein
hatte über mehrere Jahre den ersten Kindergarten.
1980
beginnt der Kindergartenverein mit einem Provisorium im Kellergeschoß der
Schule Schaftlach
1983
wird der Kindergarten-Bau in Waakirchen genehmigt
1984
erster Spatenstich
1985
feierliche Einweihung von Kindergarten St. Martin und Pfarrheim durch Pfarrer
Wernberger
1992
Errichtung eine Kindergartens in Schaftlach, Autovermieter SIXT stifte eine
halbe Million mit der Auflage dem Kindergarten den Namen seiner verstorbenen
Frau Erika zu erteilen.
1993
am 16. Oktober feierliche Einweihung des „Erika-Sixt-Kindergartens“.
Schule
Pfarrer
Virgil Sorko, nach der Klosterauflösung von 1803 – 1809 in Gmund tätig,
hielt dort auch Schule, bemühte sich nach der Ernennung zum 1. Pfarrer von
Waakirchen um die Unterrichtung der Kinder. Auf sein Betreiben richtete der Gütler
Thomas Wieser in seinem Haus (heute Boar, alte H-Nr. 16) eine Schulstube ein.
Dort unterrichtete er die Kinder, die freiwillig zu ihm kamen. „Die Entschädigung
bestand in freiwillig geleisteten Naturalien“.
„Schule
befindet sich Eine im Dorfe in einem 1814 von der Gemeinde erbauten Schulhause,
welches mit dem Schulhause zu Gmund das 2te ist, welches ich mit vieler
Beschwerde und Verfolgungen durch standhaften Muth mit Gottes Beystand empor
brachte. Es ist schön, mitten im Dorfe gleich hinter der Kirche, das
Fordertheil gegen das Pfarrhaus gerichtet, aber nicht so groß wie jenes zu
Gmund.“ (Pfarrer Sorko, verfaßt den 27 ten oktbr 1817)
„Das
alte Schulhaus“ (früher 8 ½, später 13 ½)“ bestand aus Schulzimmer,
Vorhaus, Holzlege und besaß – keinen Abort.“ (Schulchronik)
Dieses
Schulhaus wurde abgebrochen und im Jahre 1859 durch das jetzige „alte
Schulhaus“ mit 17.000 fl von der Gemeinde ersetzt. Es hatte 2 Schulsäle und
eine Lehrerwohnung (1910 geändert) (Schulchronik)
1934
wurde die eine Hälfte des Schulhauses an Bäcker Roboger verkauft (er verlegte
seine bisher beim Loherbäck Hs-Nr. 8 geführte Bäckerei in diese Haushälfte
gegenüber), die Schulsäle blieben. Die Lehrerwohnung wurde ins 1934 neu
erbaute Rathaus verlegt.
In
zwei Schulsälen wurden Kinder aus Schaftlach, Waakirchen, Marienstein, Hauserdörfl...unterrichtet.
1909
baute Schaftlach ein eigenes Schulhaus, 1911 bekamen auch die Mariensteiner ein
eigenes, wohin auch die Hauserdörfler Kinder gehen mußten. Trotzdem war nach
dem 2. Weltkrieg so große Raumnot, fünf kombinierte Klassen wurden im
Schichtunterricht in den 2 Schulsälen unterrichtet, daß sich die Gemeinde
unter Bürgermeister Hans Maier zum Neubau entschloß.
1954
am 29. Juni machte Bgm. Maier den ersten Spatenstich, am 19. Februar
1955
wurde das neue Schulhaus am Buchenweg von Pfarrer Kampfl feierlich geweiht. 1962
wurde noch ein weiterer Schulsaal angebaut.
Die
Schulreform brachte große Veränderungen:
1968/69
Zusammenlegung der Schulen Waakirchen und Marienstein,
1969/70
der Schulen Waakirchen und Schaftlach, das brachte 17 Klassen in 5 Gebäuden
(incl. 1 Schulsaal im Turnhallen-Untergeschoß) und somit wieder einen Neubau =
Erweiterungsbau der Schule Waakirchen.
Im
September 1985: Grundsteinlegung: Dr. Stoiber – Bgm. Norbert Kerkel und
Rektorin
I. Lindinger,
November
1987 Umzug ins neue Haus , Verwaltung von Schaftlach nach Waakirchen verlegt.
1988
am 11. Juni feierliche Weihe Pfarrer Wernberger, Arzberger und Merkel.
Festredner:
Dr. Stoiber, Festgäste, Kinder und das ganze Dorf freuen sich.
Kunst
Das
Waakirchner Vesperbild, Salzburg, um 1425, Steinguss
„Das
Vesperbild von Waakirchen gehört in eine Gruppe von Steingussplastiken, die im
Ostalpenraum (Salzburg?) entstanden und weithin verkauft wurden. Sie sind neben
den Schönen Madonnen Hauptvertreter des „Schönen (oder: Weichen) Stils“ der
Spätgotik, der im ostdeutschen Raum (Prag, Schlesien, Deutschordensland) seine
Wurzeln hatte.
Die
Waakirchner Plastik gehört in ihrer Verbindung von Schönlinigkeit und
Präzision der Formgebung, von Schmerz und Beherrschung im Gefühl, zu den
Meisterwerken dieser Gruppe...
(Ausstellungskatalog, Vera Icon, 1987)
Der Mondbrunnen im Pausenhof der neuen Schule von Otto Wesendonck
„Otto Wesendonck wurde am 25. Januar 1939 in Dinslaken am Niederrhein geboren.
Nach dem Besuch des Neusprachlichen Gymnasiums in Oberhausen nahm er im Jahre
1957 das Studium der Bildhauerkunst an der Folkwangschule in Essen auf, das er
1960 – 1967 an der Hochschule der Bildenden Künste in Berlin fortsetzte. Als
Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes war er Berliner Meisterschüler
bei Bernhard Heiliger. Seit 1968 lebt er als freischaffender Künstler in
Waakirchen.
Otto
Wesendonck gehört heute zu den gewichtigsten deutschen Bildhauern...“
Aus:
Prof. Erich Steingräber (Generaldirektor der Bayer. Staatsgemäldesammlungen)
Thomas Herculan Wieser
1775
als erster Sohn von Thomas Wieser in Waakirchen geboren, studierte im
Benediktiner-Stift Tegernsee. Er vollendete dort das Gymnasium und widmete sich
zusätzlich der Musik. Bei Pater Gotthardt Glockner erlernte er das Orgelspiel,
worin er „Vorzügliches geleistet“ hat. Wegen seiner musikalischen Bildung
wechselte er an das Kloster Weyarn mit seiner „trefflichen Musikschule“.
Hier vollendete er auch seine theologischen Studien.
1794
trat er in das Chorherrnstift Dietramszell ein als Pater Herculan.
1799
erhielt er die Priesterweihe. 8 Jahre arbeitete er in seinem Berufe „treu und
fleißig“ bis 1803. 1803 wurde er Musikdirektor.
Nach
der Säkularisation verblieb er als 1. Ortspfarrer in Dietramszell, war
Schulinspektor und Beichtvater der Clarissinnen. Er blieb bis 1821. In dieser
Zeit entwickelte er gründliche Kenntnisse in der Musik und sein meisterhaftes
Orgelspiel.
-
Herculan Wieser gab Orgelkonzerte in München (mit sehr großem Beifall)
-
Das Musiklexikon Mü 1801 „seine Produkte nehmen sich durch Gründlichkeit und
Leichtigkeit aus“.
-
eigene Kompositionen: vier deutsche Messen, zwei Requien
-
für das Theater in Tölz komponierte er Bühnenstücke, Operetten, Lieder...
„eine ganze Reihe handschriftlicher Noten im Pfarrarchiv
Tegernsee...“
Bis
zur Säkularisation 1803 war das Musikleben
in Tegernsee vom Kloster geprägt.
Seit
1817 war der neue Herr von Tegernsee Bayerns erster König Max I. Joseph.
Auf
gute Musik bedacht, verordnete die „Stiftungsurkunde vom 4.11.1821“, dass
von nun an in Tegernsee immer ein „Kantor und Organist der Pfarrkirche“
angestellt werde. Zum ersten Kantor in Tegernsee berief der König Herculan
Wieser.
1821
– 1836 versah er als Lehrer und Leiter diese Amt in Tegernsee.
1839
ist Herculan Wieser in Tegernsee verstorben und beerdigt.
Sein
Nachfolger wurde der Sohn seines Bruders Joseph (Schullehrer in Egern, der
„geliebt, geehrt als Mensch, Christ und Lehrer“ am 14.3.1853 verstarb)
Johann Wieser.
Im
Schaftlacher Gebiet, das früher die Gemeinde mit gleichem Namen bildete, liegen
die Ortschaften, Schaftlach, Piesenkam und Krottenthal sowie die weiteren
Siedlungen Hirschstätt, Rieder, Staudach, Berg und die Einzelhöfe Hinterholz,
Raßhof, Stelzer und Allerer.
Die
systematische Besiedlung des Alpenvorlandes erfolgte erst durch die Bajuwaren ab
dem 6. Jahrhundert. Dabei gehörte das Gebiet um Schaftlach zum Sundergau (=Südgau),
der sich im wesentlichen vom Inn im Osten und dem Gebiet zwischen Isar und
Loisach im Westen erstreckte. Eine weitere Bezeichnung dieses Landes taucht kurz
nach dem Jahr 800 auf, nämlich „alpacowe“, was soviel bedeutet wie
„Alpengau“.
Der
älteste bekannte Name für Schaftlach wird „Scaftloh“ (=Laubwald am Sumpf)
für Piesenkam „Poasinpurron“ (=bei den Gebäuden des Poaso) geschrieben. Im
10. Jahrhundert kam das Gebiet um Schaftlach – Piesenkam unter die Herrschaft
der Grafen von Wolfratshausen. Diese hatten auch die Vogtei (Rechts- und
Schutzaufsicht) über das Kloster Tegernsee, das im Jahr 746 gegründet worden
sein soll.
Mit
der Siedlungsausweitung bildeten sich zu Beginn
des Mittelalters die unabhängigen Bauern (Freibauern) heraus, die jedoch ihren
freien Besitz auf die Dauer nicht halten konnten. In unserem Gebiet kamen die
meisten unter die Klosterherrschaft von Tegernsee. Am Ende dieser Entwicklung
gehörten in Schaftlach 90% aller Güter nach Tegernsee, in Piesenkam nur rund
60%, weil die dortige Kirche mehr als 30% der Anwesen hatte.
In
Schaftlach steht eine Kirche mit dem Patrozinium „Heilig Kreuz“. Sie wurde
1476 geweiht. Das Bauwerk hat im Innern bis in
die Gegenwart ihren gotischen Charakter bewahrt. Die Einrichtung wurde in
der Barockzeit stark verändert. Es blieben jedoch auch noch Kunstwerke aus der
Gotik und vor allem der lebensgroße romanische Christus.
Auch
bei der Kirche in Piesenkam, die dem heiligen Jakobus geweiht ist, handelt es
sich um ein Bauwerk aus der Gotik. Dies ist schon äußerlich zu erkennen, weil
die Fenster mit ihren gotischen Spitzbogen auch bei der späteren Barockisierung
geblieben sind. Die dabei erstellte Ausmalung und Erneuerung der Einrichtung mit
den Altären ist wirklich sehenswert.
Bei
Piesenkam steht eine ehemalige, früher viel besuchte Wallfahrtskirche, die
Allgau Kapelle, im Volksmund „Allger Kappel“ genannt. Sie liegt an der Straße
nach Warngau, etwas im Wald versteckt. Mit ihr baulich verbunden ist eine
Unterkunft für die ehemals anwesenden Klausner. Kirchenpatron ist Papst Gregor
der Große. Das Kirchenschiff ist mit einem großartigen Gesamtbild in barocker
Malweise ausgestattet. Auch sonst ist bei der Einrichtung der Barock stark
vertreten, wenn auch öfter nur dadurch, dass frühere Kunstgegenstände
barockisiert worden sin. In der „Allger Kappel“ wurde außerdem längere
Zeit durch den Klausner Schulunterricht gegeben (1. Hälfte des 18.
Jahrhunderts).
Eine
besondere Kapelle im Schaftlacher Gebiet ist das „Freikircherl“. Sie hat
einen achteckigen Grundriss mit einem kuppelförmigen Dach und darauf
angebrachtem Zwiebeltürmchen. Sowohl der Bau, wie auch die Einrichtung gehören
dem Barock an. Weitere Kapellen gibt es in Krottenthal, Berg, Rieder und Raßhof.
So
findet sich im Schaftlacher Gebiet gerade bei den kirchlichen Einrichtungen viel
ganz beachtliche Kunst. Daneben gibt es noch einige wirklich sehenswerte, gut
erhaltene landwirtschaftliche Gebäude, an denen trotz der späteren
Instandsetzungs- und Erneuerungsarbeiten noch gut die frühere Bauweise aus dem
ausgehenden 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts zu erkennen ist.
Durch
das Gebiet führt die Hauptverkehrsader von München her über Tegernsee und
Kreuth zum Achenpaß und weiter nach Tirol.